Ulrich Deppendorf | Journalist · Moderator
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Montag, 03.07.2017

Trittin und Huber in Heidelberg

Krieg und Frieden - und was die Religion damit zu tun hat

Diskussion mit Jürgen Trittin und Wolfgang Huber in Heiliggeist - Wie Konflikte gelöst werden können - Vom Westfälischen Frieden bis zum Islamischen Staat

Diskutierten über Religion und Gewalt (v.l.): Jürgen Trittin, Christoph Strohm, Wolfgang Huber, Corinna Wedell und Ulrich Deppendorf.  Von Sebastian Riemer
Diskutierten über Religion und Gewalt (v.l.): Jürgen Trittin, Christoph Strohm, Wolfgang Huber, Corinna Wedell und Ulrich Deppendorf. Von Sebastian Riemer

Die Kernthese stellt Komponist Helmut Barbe an das Ende: "Ihr Helden reicht nicht zu mit eurer Grausamkeit: Was ihr noch nicht getan, das tut die Christenheit", heißt es in seinem "Kammeroratorium 1648". Die Komposition thematisiert das Grauen des Dreißigjährigen Krieges, der vor 369 Jahren mit dem Westfälischen Frieden endete. Und nachdem der letzte Ton des beklemmenden Werks am Freitagabend zum Auftakt des Chorfests Baden in der Heiliggeistkirche erklungen war (Rezension heute im Feuilleton), wurde diskutiert - unter dem Titel: "Gewalt im Namen Gottes?"

Ist Religion aus sich heraus gewalttätig? Ein entschiedenes Nein kam vom Ex-Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber: "Die Verwicklung der Christen in Gewalt begann im 4. Jahrhundert, als sie politisch-gesellschaftliche Mitverantwortung trugen." Sollte heißen: Wer inmitten dieser kriegerischen Welt lebt, wird automatisch in Gewalt hereingezogen - und macht dabei "schrecklichste Fehler", so Huber. Heute aber, ist der 74-Jährige überzeugt, sei Religion die Lösung, nicht das Problem: "Ich weiß keine andere Gegenkraft gegen Krieg." Kein einziges gutes Argument für Laizismus und Säkularisierung habe er gefunden. Die Alternative seien "Stalin, Hitler, Pol Pot - denen wollen wir das Feld auch nicht hinterlassen".

Nüchterner kam Jürgen Trittin, Außenpolitikexperte der Grünen, daher: "In den meisten sogenannten Religionskriegen geht es um Interessen", sagte der 62-Jährige, der als 15-Jähriger aus der Evangelischen Kirche austrat - wegen deren Schweigen zu Massakern im Vietnamkrieg. Konflikte seien zwar häufig religiös aufgeladen, aber die Ursachen lägen tiefer. So sei das vor 400 Jahren gewesen und so sei das heute in Syrien. Der Heidelberger Theologe Christoph Strohm stimmte voll zu: "Sobald die Religion eine geringere Rolle spielt, treten andere Kriegsgründe in den Vordergrund, etwa Nation oder Weltanschauung." Und die Heidelberger Friedens- und Konfliktforscherin Corinna Hauswedell stellte noch eine ganz andere Ursache für die meisten Konflikte fest: "Es geht meist eher um Teilhabe als um Religion."

Doch was helfen diese Erkenntnisse, wenn der Nahe Osten brennt? Vom Westfälischen Frieden könne man lernen, meinte Trittin: "Das Aktuelle ist die Beendigung eines Krieges durch eine Vereinbarung. Wer heute noch Kriege mit mehr Panzern überwinden will, dem kann ich nur sagen: Das wird nix!" Für Strohm ist der Westfälische Friede eine "juristische Meisterleistung ohne Sieger und Besiegte". Ob die Rückschau auf einen fast vier Jahrhunderte alten Konflikt heute Syrien hilft, bezweifelte Wedell. Sie setzt auf Dialogprozesse, auch parallel zu militärischen Aktionen. Da nickte Trittin: "Als Kurt Beck vor zehn Jahren sagte, man müsse mit den Taliban reden, gab es homerisches Gelächter - und vier Jahre später war der Dialog Realität." Im Zweifel müsse man auch mit dem IS reden.

Die Religion, die heute von vielen als aus sich heraus gewalttätig wahrgenommen wird, ist der Islam. Und da war es wieder Huber, der das historisch einordnete: "Als das Christentum noch Gewaltexzesse tolerierte, war der Islam vergleichsweise friedlich." Man müsse im Westen den Gestus der Selbstgerechtigkeit abstreifen, "und dann haben wir eine Basis, im Dialog mit Muslimen Veränderungen zu ermöglichen". Als Vorbild für die Transformation des Islam sieht Huber durchaus das Christentum: "In nur einem Jahrhundert erlebten wir den Bankrott der Christenheit - im Ersten Weltkrieg - und dann die Absage der Kirchen an die Formel vom gerechten Krieg." Heute seien die christlichen Kirchen aktive Friedensstifter. Theologe Strohm setzt auch auf die Zeit: "Die Erschöpfung in Mitteleuropa war irgendwann so groß, dass die Sehnsucht nach Frieden die Oberhand gewann." Und dabei habe die Religion, die nach vielen Konflikten immer zivilisierter - "also bürgerlicher" - geworden sei, eine entscheidende Rolle gespielt. Diese Kräfte gelte es nun, auch im Islam zu stärken.

Dass Wandel immer möglich ist, zeigte Jürgen Trittin am Beispiel des Iran: Das heutige theokratische System sei die Antwort auf westlichen Kolonialismus. Heute aber seien viele Menschen, besonders die jungen, wieder sehr westlich orientiert. "Die sagen: Unter dem Schah haben wir öffentlich gesoffen und heimlich gebetet - und heute ist es umgekehrt."

Donnerstag, 10.11.2016

im Interview auf WDR2 zur US-Wahl 2016: "Die Leute hatten die Schnauze voll von diesem Washingtoner System."

Sonntag, 28.6.2015 in Brandenburg im Sankt-Pauli Saal:

Gespräch und Moderation mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier

aus Anlaß der Rotarier-Distriktkonferenz.


Links im Bild Michael Ropers, Präsident des RC Berlin-Gendarmenmarkt.

Quelle : cpr. lw.

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